12. August 2019 – Rivière-au-Renard

Ich bin den Wettergöttern unglaublich dankbar, denn fast täglich schicken sie die Sonne zu meiner morgendlichen Begrüssung! Auch heute war das so und weil mein Zimmer Meersicht Richtung Nord-Osten besitzt, konnte ich die aufgehende Sonne bewundern. Leider erwachte ich etwa 15 Minuten zu spät, sonst hätte ich die Sonne über dem Meer aufgehen sehen (Sonnenaufgang war um 5:06 Uhr). So drehte ich mich in meinem Bett noch ein paar Mal um, bevor ich dann etwas nach halb neun Uhr beschloss, meinen Tag ausserhalb des Bettes zu verbringen.

Ich möchte noch ein paar Worte zu diesem Airbnb verlieren. Das Haus gehört einem jungen Paar, wobei ich sie noch nie gesehen hatte. Ihn traf ich gestern Abend, nachdem er mit seinem Kollegen mit ein paar Kilogramm Eierschwämmen nach Hause gekommen ist. Dieses Haus stammt aus drei Epochen. Der älteste Teil ist 130 Jahre alt! Dann gibt es einen Teil mit 100 Jahren und dann noch einen Anbau, welcher etwa 60 Jahre alt ist. Die Böden sind meist schief, die Türzargen so niedrig, dass ich meinen Kopf einziehen muss und die Treppen teilweise nur etwa 50cm breit. Die Einrichtung ist ziemlich zusammengewürfelt und teilweise defekt. Für zwei Nächte ist das alles aber OK für mich. Ich habe einen kurzen Film darüber gemacht.

Da kommt mir das Lied von Peter Kraus in den Sinn, welches wir auch in der Pfadi immer wieder gesungen hatten: Das alte Haus von Rocky Docky hat vieles schon erlebt, kein Wunder, daß es zittert, kein Wunder, daß es bebt.

Ein kleineres Problem hier in diesem Dorf ist das Thema Verpflegung. Es gibt weder eine Bäckerei noch ein Café, in welchem ich etwas für meinen knurrenden Magen am Morgen bekäme. Da ich aber sowieso mit dem Auto in den nahe gelegenen Nationalpark wollte, machte ich einen kurzen Umweg nach Gaspé. Dort konnte ich meinem Magen etwas Gutes tun.

Am Strand im Nationalpark
Einer von vielen Stränden

Danach fuhr in zum Südeingang des Forillon Nationalparks. Wenn du wissen willst wo das ist, dann schau die Karte von gestern an. Südöstlich von meinem Übernachtungsstandort gibt es einen grünen Spitz, das ist dieser Park. Ja und was soll ich sagen, das war traumhaft schön! Es begann damit, dass ich kurz nach dem Eingang von einem stacheligen Gesellen begrüsst wurde. Dieses Tier verspeiste am Strassenrand genüsslich den Klee und seine Blumen. Zu nahe kommen sollte man ihm auf keinen Fall, denn wenn es sich bedroht fühlt dreht es dem Feind blitzschnell sein Hinterteil zu und rennt mit affenartiger Geschwindigkeit rückwärts auf den Gegner zu und rammt ihn regelrecht mit seinen langen Hinterleibsstacheln.

Es sieht so knuffig aus, aber…..

Ich beschloss dann, den „Mont-Saint-Alban“ zu besteigen. Die Herausforderung war mit 280 Höhenmetern nicht sehr gross. Am höchsten Punkt stand ein Aussichtturm, welcher die Bäume überragte und überragend war dann auch das Panorama, welches mir zu Füssen lag.

Blick vom Aussichtsturm Richtung Osten
Blick vom Aussichtsturm Richtung Westen (Gaspé)
Blick vom Aussichtsturm Richtung Süden. Im Dunst und etwa 35km vom Aussichtsturm entfernt erkennt man den markanten Felsen von Percé mit seinem Loch. Dort werde ich morgen sein
Blick vom Aussichtsturm Richtung Norden. Wasser, Wasser und nochmals Wasser und vielleicht einmal ein Schiff
Beim Auf-/Abstieg kann man durch die Bäume einen Blick zum „Cap-des-Rosiers“ mit seinem Leuchtturm erhaschen

Danach fuhr ich auf die Nordseite. Hier gibt beim Punkt „Cap-Bon-Ami“ Felsen, in welchen die Kormorane nisten. Zu Hunderten hockten sie auf den Felsvorsprüngen. Kormorane sind ja diejenigen Vögel, welche sich aus grosser Höhe ins Wasser stürzen und unter Wasser den Fisch packen. Ich selber habe die Vögel aber nicht jagen gesehen.

Kormorane
Kormorane
Kormorane (und eine Möve)
Die Felswände mit hunderten von Kormoranen

Auf meinem Heimweg kam ich am „Cap-des-Rosiers“ vorbei. Dort steht ein Leuchtturm und natürlich habe ich angehalten und ihn fotografiert. Da hier Eintritt gefordert wurde, ich aber schon einige Leuchttürme auch von innen gesehen hatte, verzichtete ich auf weitere Informationen vor Ort.

Der Leuchtturm auf „Cap-des-Rosiers“
Ein farbiges Schmuckstück in unmittelbarer Nähe des Leuchtturmes

Wieder zu Hause wollte ich eigentlich auf die Molen im Hafen laufen. Leider bestehen hier diese Molen nur aus riesigen Granitsteinen. Darum sind diese Molen nicht begehbar. Für ein paar Fotos reichte es aber schon.

Der Hafen von Rivière-au-Renard
Fischfangschiffe unter sich
Fischfangschiffe

Weil, wie schon geschrieben, das Dorf nicht gerade mit Verpflegungsmöglichkeiten glänzt, kochte ich mir heute selber. Ich hatte immer noch Restbestände von meiner Velotour und diese müssen ja auch einmal gegessen werden.

Ein Geschichte am Rande:
Beim Hochsteigen auf den „Mont-Saint-Alban“ traf ich auf eine ziemlich verkrüppelte Birke. So wie sie aussah, ist der Stamm vor längerer Zeit einmal gebrochen und dann aber wieder zusammengewachsen. Danach hat sich die Birke wieder Richtung Sonne orientiert. Für mich machte dieser Baum etwas Sinnbildliches und es passt wunderbar zu einer Situation, welche ich gerade im privaten Umfeld erlebe. Diese Birke ging mir den ganzen Weg nicht mehr aus dem Kopf und beim Abstieg kamen mir laufend Gedichtzeilen in den Sinn. Ich möchte sie euch nicht vorenthalten. Mein kurzer Vers steht nach dem Bild.

Die Krüppelbirke

Wurdest du beleidigt, gekränkt oder sonstwie verletzt
Steh auf, es ist Zeit – JETZT!
Stehen in deinem Drama drin
Bringt dich nicht weiter, macht wenig Sinn!
Sprich ehrlich und offen, es wird sich lohnen
Die Freude wird wieder in dir wohnen!
Diese Birke macht das ganz gut
Tue es auch, es braucht nur ein wenig Mut

Eine Antwort auf „12. August 2019 – Rivière-au-Renard“

  1. Lieber Urs
    vorerst möchten wir Dir zu Deinem vierten Enkel – Alex – gratulieren. So wird Dir nach Deiner Rückkehr nach Europa die „Arbeit“ nicht ausgehen.
    Jeden Morgen stürzen wir uns als erster hinter Deinen Tagesbericht, der immer sehr interessant ist. Es scheint dass die kanadische Ostküste mit Leuchttürmen übersät ist! Auch Deine sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit den BRNB sind lesenswert. Freue Dich weiterhin auf den Rest Deiner Reise und lass Dich von den Leuchttürmen nicht demotivieren.
    Liebe Grüsse aus Heimat
    Franzisca + Heinz

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