12. Mai 2019 – Fort MacLeod-Taber

Auch der heutige Beitrag fängt noch mit dem gestrigen Abend an, weil sich nach Redaktionsschluss noch ein paar Dinge ereignet hatten.

Ich weiss nicht wie mein gestriger Bericht rübergekommen ist. Fakt war, dass mich der gestrige Tag ziemlich frustriert hatte. Da strampelt man sich die Seele vom Leib, macht praktisch keine Höhenmeter und ist am Abend total kaputt. Aus diesem Grund musste ich mich gestern noch selber aufmuntern bzw. belohnen. Aus diesem Grund habe ich mir am heutigen Ziel ein einfaches Hotelzimmer reserviert (Airbnb sind hier keine verfügbar). Weil ich gestern so kaputt war, verkroch ich mich ziemlich schnell in mein Zelt. Ich glaube, um halb neun Uhr schlief ich schon. Erstmals erwacht bin ich um halb zwei Uhr, weil ein Güterzug hornte. Diese Hörner hört man sicher schon ein paar Kilometer bevor der Zug vor Ort ist. Der Grund für die häufige Hornerei liegt an den vielen unbewachten Bahnübergängen. Um fünf Uhr in der Früh war ich dann schon wieder wach. Ich drehte mich noch ein paar mal und stand dann um halb sechs Uhr auf. Ich ass etwas, packte meine Sachen zusammen und machte mich ziemlich genau um sechs Uhr auf den Weg.

Sonnenaufgang unmittelbar nach dem Zeltplatz
Und hier etwa 5 Minuten später

Die Stimmung war wunderbar! Vögel zwitscherten und die Sonne war gerade im Begriff aufzugehen. Was für mich als Radler noch wichtiger war: Der Wind blies von hinten, also aus dem Westen!  Ich hatte den Highway für mich fast alleine und es war ziemlich ruhig. Was mir auffiel war, dass man relativ viele Vögel hört. Ich genoss diese frühe Morgenzeit! So kam ich ausserordentlich schnell vorwärts und nach 2.5 Stunden sass ich schon im ca. 50km entfernten Lethbridge im Tim Hortons, trank meinen Zmorgekafi, ass einen gefüllten Bagel und genoss den Sonntagmorgen.

Den ganzen Highway für mich alleine
Ölpumpen
Eisenbahnbrücke bei Lethbridge. Die ganze Brücke ist genietet und damit relativ alt.

Dieser Unterbruch tat gut und ziemlich gut erholt ging es eine halbe Stunde später weiter. Nach Leithbridge konnte ich mich fast 20km neben dem Highway bewegen. Es ging durch Wohnsiedlungen und über Landstrassen, wobei diese nicht immer befestigt waren. Aber diese Art Strassen sind viel schöner und ich konnte es richtig geniessen. Darum war auch heute der eine oder andere Jauchzer von mir zu hören.

Eines der schönen Quartiere in Lethbridge.
Gravelroad
Windmühlen zu Hauf
Mitten im Nirgendwo eine Fabrik von McCain Foods, dem weltweit grössten Hersteller von gefrorenen Kartoffeln
Ich habe vermutlich den kleinsten aller Traktoren fotografiert. Unglaublich was für Maschinen und in welchen Mengen hier zum Verkauf stehen. Ich habe an einem Ort etwa 50 Mähdrescher nebeneinander gezählt!

Ganz kurz nach Mittag kam ich dann bereits an meinem heutigen Tagesziel in Taber an. Taber ist eine Gemeinde von etwa 8500 Einwohnern. Viel los ist hier definitiv nicht. Die grösste „Attraktion“ ist vermutlich der Highway, welcher mitten durchs Dorf führt. Es waren auch viele Restaurants geschlossen und so war es nicht ganz einfach, sich zu verpflegen. Mehr dazu weiter unten.

Nun bin ich schon vier Wochen hier in Kanada, das Land von dem ich immer geträumt habe und das auch heute noch wunderschön ist, mit all seinen Facetten. Aus diesem Grund möchte ich ein paar Stichworte zu meiner Zeit bis jetzt aufführen:

  • Vier Wochen gehen unheimlich schnell vorbei
  • Nach meinem Fast-Abbruch der Tour an meinem zweiten Fahr-Tag bin ich immer noch hier – zum Glück
  • Mit so viel Schnee rund um Banff hatte ich definitiv nicht gerechnet
  • Gegenwind ist extrem zermürbend
  • Bis jetzt noch keine Defekte
  • Wunderschöne Begegnungen mit tollen Menschen
  • Ich habe viele Tiere gesehen, jedoch leider keine Bären
  • Vogelgezwitscher ist sehr oft zu hören
  • Sehr viele Mails, SMS, Kommentare und Whatsapp aus meiner Heimat (danke vielmals, ihr seid die Besten und ich freue mich über jedes!)
  • Kanadier sind keine Fussgänger! Entsprechend fehlen in vielen Dörfern die Fussgängerwege (in den Städten ist das anders)
  • Relativ viel Unrat entlang der Strassen
  • Essen in Dörfern ist ziemlich schwierig. Meist gibt es nur die bekannten Schnellimbisse (KFC, McDonalds, Tim Hortons, PizzaHut etc.)
  • Übernachten im Zelt macht schon Spass, übernachten im Hotelzimmer oder Airbnb ist aber definitiv bequemer.
  • Eigentlich kommt es nicht darauf an, in welchem Land man sich bewegt, sondern wie offen man selber gegenüber seinen Mitmenschen ist.
  • Das Heimweh habe ich langsam im Griff, was nicht heissen will, dass ich euch nicht vermisse und mich riesig freue, euch ab Mitte Oktober wieder zu sehen!

Sorry, wenn der Bericht ein wenig lang wurde!

 

Tagesstrecke
[km]
Tageshöhe
[m]
min. Temp.
[°C]
Zeit unterwegs
[h]
107.78261106:16:19
Gesamtstrecke
[km]
Gesamthöhe
[m]
max. Temp.
[°C]
ø-Geschw.
[km/h]
873.6460112521.1

 

2 Antworten auf „12. Mai 2019 – Fort MacLeod-Taber“

  1. Es ist schön, dass es dir gut geht. Ich lese mit grossem Interesse jeden Tag was du zu erzählen hast. Und auch die tollen Bilder sind einfach super. Ich wünsche dir Gute Fahrt mit viel Rückenwind und bleib gesund.
    Lg vom Haslenboden in Schübelbach
    Gabriela Hauser

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